Wednesday, March 12, 2008

Keine Atempause

Torsten hat mir eine SMS geschickt. "Egal, worum es geht, ich würde gern mit Dir reden. Bitte gib mir eine Chance". Ich ignoriere das lieber erst einmal. Gregor möchte mit mir reden. Was er wohl auf Lager hat? Das Jahr hat gut und mit viel Arbeit begonnen und ich habe wenig Zeit an andere Dinge zu denken. Ein bisschen Sport als Ausgleich tut schon gut. Am Wochenende zieht Sandra in die neue Wohnung. Ich freue mich irgendwie darauf, dass sie näher bei mir wohnt. Jürgen ist nach ihrer Aussage ganz aufmerksam und um sie bemüht. Das sind Dinge, die mich momentan überhaupt nicht beschäftigen. Katja und Markus scheinen auch in schönster Harmonie zueinander zu stehen. Ich will nicht darüber nachdenken, weil sich unweigerlich Torsten in meine Gedanken drängt. Ich tue es ja trotzdem und das Telefon reißt mich heraus. Es ist Robert. "Simone hast DU gerade mal Zeit zu mir zu kommen? Jetzt sofort?" "Klar, ich habe in einer Stunde einen Termin mit Gregor, aber jetzt geht es gut." Ich eile also zu Robert.Er begrüßt mich mit einer kurzen Umarmung. "Ich komme direkt zur Sache, Simone" sagt er. Mein Herz pocht laut. "Herr Mohn hat mir von Eurem Gespräch erzählt." Kurze Pause, ich schaue ihn erwartungsvoll an.
***
"Du scheinst ja mächtig Eindruck gemacht zu haben." Mir fällt ein Stein von Herzen. "Aber..." Ich wusste es, er will mich nicht. Erschrocken starre ich Robert an. "Ja, es gibt ein ABER. Gregor will nicht, dass Du diesen Posten bekommst. Er hat Mohn gesagt, dass er nicht glaubt, dass Du dem Stress gewachsen wärst. Schließlich würdest Du immer darauf achten, pünktlich Feierabend zu machen, egal, was noch zu tun wäre." In mir kocht es. "DAS hat er gesagt?! Das ist doch wohl die Höhe! Ich bin fast IMMER vor ihm da, außer er hat einen frühen Termin. Ich lasse NIE etwas unerledigt. Muss ihm ständig den Arsch nachtragen und dann so was? Den knöpf ich mir vor." Wütend springe ich auf.
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"Setz Dich wieder," beschwichtigt Robert mich. "Du darfst das ja gar nicht wissen, das ist Dir doch klar!" Ich nicke. "Und" er fährt fort "der Grund ist doch klar. Ohne Dich ist er aufgeschmissen! Keiner kennt sich so gut aus, wie Du! Zimmermann ist doch ein guter Bekannter von mir, wir gehen gemeinsam joggen. Er hat mir das erzählt. Ich habe ihm schon gesagt, was ich davon halte. Mohn kann sich eben nicht so ein gutes Bild von Dir machen. Keine Sorge, Simone, ich helfe Dir. Weil ich Dich mag und weil ich weiß, was Du kannst. Du wirst mit Sicherheit ein weiteres Gespräch haben. Da wird bestimmt die Sprache auf Überstunden, Mehrarbeit und so weiter, kommen. Sag einfach, dass es Dir völlig klar ist, dass Du eine ganz andere Verantwortung trägst, die andere Arbeitszeiten mit sich bringt." Ich nicke, habe aber einen Kloß im Hals vor lauter Wut. "Und was ist mit Torsten?" frage ich vorsichtig. "Dazu kann ich Dir nichts sagen, Simone. Kämpf für Dich!" Er nimmt mich kurz in den Arm. "Und bitte - lass Dir nichts anmerken, Gregor gegenüber." Ich verspreche es ihm und gehe in mein Büro zurück. Gregor schaut mich unschuldig an. Ich darf nichts sagen und das ärgert mich. "Gibt es was Neues, Simone?" fragt er harmlos. "Nein, nicht wirklich", sage ich. "Oder haben Sie was gehört? Sie wissen ja, dass ich mich auf den Job als Exportmanager beworben habe. Hat Herr Mohn mit Ihnen darüber geredet?"Ich schaue ihn direkt an. Gregor schaut mich nicht an und stottert. "Nein, äh, wieso?""Hätte ja sein können, sie sehen ihn ja bei ihren wöchentlichen Jour-Fix!"Er schüttelt den Kopf und wechselt das Thema. Ich muss überlegen, wie ich weiter vorgehe. In dem Moment ruft Frau Kratz an. "Frau Schneppenberg, Herr Mohn möchte morgen früh gern mit Ihnen reden." Mir schlägt das Herz bis zum Hals. "Selbstverständlich" stottere ich.

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